Schwimmen in den natürlichen Gewässern Europas

Endlich endlich endlich: Der Urlaub kann kommen. Dieses dank Corona so besonders anstrengende Schuljahr neigt sich dem Ende entgegen. Die Ferien stehen vor der Tür und du planst einen Aufenthalt an einem europäischen Gewässer? Egal ob Du deinen Urlaub am See, an der Nord- oder an der Ostsee verbringst. Ja auch wenn du ans Mittelmeer fährst, habe ich heute einen ganz besonderen Beitrag für dich: Martin Woywod – studierter Biologe und in seiner Freizeit passionierter Taucher und Globetrotter hat in einer 2-teiligen Serie einmal zusammengefasst, worauf man so achten muss, wenn man in den natürlichen Gewässern Schwimmen geht. Im ersten Teil dreht sich hier alles um europäische Gewässer. In Kürze geht der zweite Teil live – mit allen Infos zum Schwimmen in tropischen und subtropischen Meeren.

Und warum sich biologisches Hintergrundwissen auch an den heimischen Gewässern auszahlt, zeigt ziemlich eindrucksvoll der Artikel “Petermännchen sticht immer öfter zu”.

Schwimmen in natürlichen Gewässern

Was gibt es beim Schwimmen in natürlichen Gewässern zu beachten? Im Vergleich zum kontrollierten Schwimmbad gibt es natürlich mehr Risiken zu beachten, Gefahrenquellen können physikalisch sein (Strömung, Wassertemperatur, Wellen …) oder biologisch (beissende Fische, nesselnde Quallen, infektiöse Bakterien …). Aber natürlich bietet es auch mehr Entspannung oder mehr Abenteuer draussen im See zu schwimmen. Während die physikalischen gefahren wie z.B. Strömungen oft unterschätzt werden, sind die “biologischen” Gefahren oft überschätzt. Das liegt wohl einfach daran, dass man weniger oft im Wasser als an Land ist, weniger kennt was da so wächst und herumschwimmt und vor allem auch oft nicht sieht, was unter und neben einem noch so schwimmt.

Dem Leben im Wasser sind wir als Menschen aber genauso fremd, wir sind – im Gegensatz zum Land weder direkt übliche Beute für irgendein Raubtier, noch werden wir als direkte Bedrohung vom Leben unter Wasser wahrgenommen. Gefahren entstehen eigentlich nur durch “Missverständnisse” und Zunahekommen von Seiten des Menschen. Beides kann man gut vermeiden, wenn man einige Grundregeln beachtet. Viel Stress kann man vermeiden, wenn man sich selbst die Umgebung See oder Meer weniger fremd macht, in dem man z.B. wenn möglich auch schnorchelt, statt nur zu schwimmen und sich dabei direkt ansieht was da so schwimmt und auch mal in ein Bestimmungsbuch schaut oder in ein Zooaquarium geht.

Die Wasserqualität in stehenden natürlichen Gewässern

Zunächst mal ist es schwer in kleineren Seen als Laie festzustellen, ob das Wasser Badequalität hat oder z.B. mit Bakterien verseucht ist, die z.B. einen Durchfall verursachen, wenn man Wasser schluckt. Es gibt “Indikatororganismen”, Tiere und Pflanzen, die klar anzeigen, welche Qualität das Wasser hat, wenn sie dort vorkommen. Für den Laien erst einmal schwer erkennbar, aber durchaus erlernbar wenn man etwas Zeit und Interesse aufwenden möchte, z.B. ein paar Steine im flachen Wasser umzudrehen und zu bestimmen, was da so herum kriecht.

Braunes trübes Wasser muss nicht gleich schlechte Wasserqualität bedeuten, meistens sind das aufgewirbelte feine Ton- oder Sandteilchen, die hygienisch völlig unbedenklich sind. Sind sie hart genug und stark bewegt genug, können sie sogar Bakterien mechanisch zerreiben und dadurch die Belastung des Wassers verringern – auch hemmen sie das Wachstum giftiger Blaualgen, da sie die Sonne abschatten.

Wann ihr natürliche Gewässer meiden solltet

Ein besseres Warnzeichen sind grünliche Verfärbungen, Schaum auf dem Wasser, ein Belag auf den Wasser und ein bemerkbarer unangenehmer Geruch des Wassers, alles klare Hinweise auf Mikroorganismen, die man besser meidet. Klares aber braunes Wasser ohne Geruch findet man oft in Moorgebieten (Gebirge, Skandinavien). Es enthält aus dem Moor absorbierte Gerbsäuren (in etwa wie Tee, auch der enthält Gerbsäuren), was eher ein Zeichen für gute Wasserqualität ist, die Gerbsäuren hemmen bakterielles Wachstum. Beim schwimmen ist das Wasser oft sehr angenehm, da der pH-wert des Wassers dem der Haut ähnlich ist.

Klares, ungefärbtes Wasser kann auch temporär bakteriell belastet sein, wenn zum Beispiel Abwässer hineingeleitet werden. Ausgewiesene Badeseen werden regelmäßig auf bakterielle Belastung überprüft.

Indikatoren für eine gute Wasserqualität

Je größer der See desto wahrscheinlicher ist die Wasserqualität gut. Größere Seen sind stabilere Ökosysteme und Verunreinigungen sind besser verdünnt. Geht man ins Wasser, sind die Steine am Rand oft glitschig oder schleimig, was eine Ekelreaktion hervorrufen kann. Rutschiger Belag kommt vor allem von Kieselalgen, mikroskopisch kleinen algen, die eine harte runde Schale um sich herum bauen – und völlig harmlos sind.

Man findet sie auch eher in sauberem Wasser als in stark belastetem. Es fühlt sich schleimig-rutschig an, aber das kommt nur daher, dass man tatsächlich mit dem Fuss über die Kieselalgen “rollt”. Schleimige Beläge sind vielkettige Zucker, die von andere Algen ausgeschieden werden, vor allem als Fraßschutz. Andere Mikroorganismen müssen sich da durchwühlen, um bis zu den Algen zu kommen. Das ist letztendlich aber nicht viel anderes als z.B. Küchenstärke in Wasser gequollen, also auch völlig harmlos.

Wenn man beim Schwimmen etwas streift, das man nicht sieht, sind das immer Wasserpflanzen. Die binden Nährstoffe, die dann z.B. giftigen Blaualgen nicht mehr zur Verfügung stehen und das Gleichgewicht im See mithelfen zu regeln. Wenn nicht der ganze See völlig zugewachsen ist, auch eher ein positiver Faktor.

Was zwickt denn da?

Wenn man durch dichte Schilfzonen oder starken Wasserpflanzenbewuchs watet oder dort länger stehenbleibt, kann es passieren, dass man einen kurzen, scharfen Schmerz am Bein bemerkt und ziemlich erschreckt, weil man nicht weiß, was das war. Erklärung: Das ist ein im Wasser lebendes Insekt der “Wasserskorpion” (kein Skorpion, eine Wanze). Der sticht mit seinen scharfen Mundwerkzeugen zu, wenn er sich bedroht fühlt, injiziert aber kein Gift. Harmlos, passiert selten – aber es hilft, wenn man weiß, dass das passieren kann und sich dann keine Sorgen macht. In manchen Baggerseen finden sich seltsame, fast kreisrunde, wie sauber geputzt aussehende Flächen in brusthohem Wasser. Stellt man sich in so einen Kreis, zwickt es kurz darauf am Bein.

Erklärung: Man steht in der Balzarena eines amerikanischen Sonnenbarsches. Das findet der nicht gut und versucht mutig durch Zwicken den Menschen dazu zu bewegen, doch bitte woanders zu stehen. Auch harmlos, aber erschreckend, wenn man das nicht kennt. Die Sonnenbarsche wurden in Frankreich in Seen ausgesetzt zum Angeln und haben sich in den letzten Jahre über ganz Europa verbreitet. Insbesondere Grenznähe zu Frankreich am Rhein kommen sie fast in jedem Baggersee vor. Manchmal bemerkt man nach dem Baden einen Hautausschlag. Das ist die sogenannte Badedermatitis. Verursacht wor das durch Parasiten, die eigentlich Wasservögel befallen.

Der Mensch ist ein Fehlwirt – die Parasiten können uns nichts anhaben, allerdings entstehen bei dem vergeblichen Versuch der mikroskopisch kleinen Larven durch die Haut zu dringen, diese lokalen Reaktionen, die nach ein paar Tagen wieder abklingen. Vermeiden kann man das, indem man im klaren, freien Wasser schwimmt, also nicht dort wo viel Ufervegetation ist und viele Enten schwimmen. Im Wesentlichen ist das auch ein Hochsommerproblem. Die Larven werden hauptsächlich in sehr warmen Wasser freigesetzt (so ab 24°C). Ansonsten gibt es nichts, das im See irgendwie dem Menschen gefährlich wird. Die Gefahr sich einen Blutegel einzufangen, ist in Europa praktisch nicht gegeben. Er ist überall sehr selten, und selbst wenn sie vorkommen, muss man schon so 30min in einer Schilfzone auf und ab hüpfen, um sie auf sich aufmerksam zu machen.

Flüsse

Für Flüsse gilt im wesentlichen das gleiche wie für Seen, außer das eine Gefahr sehr leicht unterschätzt wird: Die der Strömung. In Flüssen, ausserhalb geschützter und etablierter Badebuchten sollten nur Erfahrene schwimmen, die den jeweiligen Fluss gut kennen.

Besonderheit: Steppenseen

Der Plattensee in Ungarn und der Neusiedlersee in Österreich sind eine Besonderheit. Sie sind sehr flache Steppenseen, die ohne Abfluss in großen Senken in Steppengebieten entstanden sind. Der Neusiedlersee ist sogar so flach, dass man sogar fast überall stehen kann. Da sie kaum Abfluss haben und flach sind, schwankt der Wasserspiegel stark, je nach Regenmenge. Wider erwarten ist die Wasserqualität zum Baden gut, denn zum einen hemmt ein höherer Salzgehalt durch die Verdunstung und den fehlenden Abfluss das Bakterienwachstum, zum anderen zermahlen hier die Schwebstoffe im Wasser tatsächlich mechanisch Mikroorganismen und hemmen das Wachstum von giftigen Blaualgen.

Das ist also ein Beispiel für den oben erwähnten Effekt für braunes, trübes aber sauberes Wasser. In beiden Seen gibt es in den Schilfbereichen noch Blutegel. Aber wie gesagt, solange man nicht längere Zeit durchs Schilf watet, kommt man nicht mit ihnen in Berührung. Durchs Schilf sollte man schon aus Naturschutzgründen nicht waten um z.B. keine brütenden Vögel zu stören. Gefahr besteht bei Wind: Das flache Wasser bildet schnell deutlich höhere Wellen als man erwartet.

Besonderheit: Der Bodensee

Der Bodensee ist einer der klarsten Seen überhaupt. Es kann sich lohnen, hier auch zu schnorcheln. Man kann bis zu 3m sehen und diverse Fische zwischen Wasserpflanzen entdecken. Die Klarheit des Wassers kommt zum Teil durch riesige Mengen Dreikantmuscheln, einer Süßwassermuschelart aus Asien, die weite Teile des Bodensee-Bodens bedecken und das Wasser filtrieren. Sie sind durch Schiffe über den Rhein eingeschleppt worden. Interessanterweise hat das keine ökologische Katastrophe ausgelöst, sondern dazu geführt, dass im Winter viele Tausend ziehende Wasservögel viel mehr Futter haben. Als Badende muss man aufpassen, wenn man ins Wasser geht. Die Muscheln sind scharfkantig und können zu Schnittwunden am Fuß führen. An vielen Stränden muss man über Muschelbänke ins Wasser gehen, dort besser Badeschuhe tragen.

Worauf du in Nordsee und Nordostatlantik achten solltest

Die bei weitem wichtigste Gefahr sind hier die Gezeiten, insbesondere im Wattenmeer, wenn man innerhalb von ein paar Stunden 5m tief Wasser steht, wo man gerade noch gelaufen ist.

Gefahren durch Tiere

Gefährliche Tiere sind vor allem nesselnde Quallen. Ungefährlich sind nur die Ohrenquallen, zum Glück sind das die häufigsten Quallen, leicht zu erkennen an den vier halbmondförmigen Markierungen auf dem Schirm. Wichtig: Über die erste Hilfe bei Quallenvernesselungen wird viel Fehlinformation publiziert. Wichtig ist, Quallenverletzungen nicht mit Essig zu behandeln, denn das ist nur für Würfelquallen in Australien die richtige Behandlung. Bei den meisten anderen Quallenarten löst Essig weitere Nesselreaktionen aus. Richtig ist: Die betroffene Stelle gut mit Meerwasser ausspülen (nicht mit Süßwasser!) und gegebenenfalls mit einer Plastikkarte (z.B. Kreditkarte o.ä.) vorsichtig die Stelle abschaben um Tentakelreste zu entfernen. Dann die Stelle kühlen und die betroffene Person eine halbe Stunde beobachten – in sehr seltenen Fällen kann ein allergischer Schock ausgelöst werden. Bei Schwindel und Übelkeit daher ärztliche Hilfe suchen.

Sehr selten sind Begegnungen mit portugiesischen Galeeren. Das sind mit Quallen eng verwandte Tiere der Hochsee, die manchmal nach Stürmen in Küstennähe getrieben werden und meterlange sehr stark nesselnde Tentakel hinter sich ziehen. Verletzungen durch portugiesische Galeeren erkennt man an langen fadenförmigen Hautrötungen, die extrem schmerzen. Bei einer solchen Verletzung zur Sicherheit immer zum Arzt gehen. Aber, wie gesagt, extrem selten, erhöhte Gefahr nur nach Sturm.

Eine reale aber stark überschätzte Gefahr an der Nordsee sind Petermännchen, das sind im Sand vergrabene Fische mit giftigen Flossenstacheln. Wenn man auf ein Petermännchen tritt, tut das weh wie ein Wespenstich. Ein solcher Schmerz beim Laufen im Sand deutet sehr klar auf ein Petermännchen hin. Absolut sicher vermeiden kann man das mit Badeschuhen.

An üblichen Touristenstränden, die häufig frequentiert sind, ist diese Gefahr realistisch aber nicht gegeben. Dort gibt es keine Petermännchen, denn die mögen es auch nicht, ständig durch Badegäste gestört zu werden. Auch sonst ist die Gefahr gering. Sollte das dennoch passiert sein, auf jeden Fall zum Arzt gehen. An Felsküsten kann es Seeigel geben – Beschreibung dazu siehe den Abschnitt zum Mittelmeer.

Ostsee

Die Ostsee unterscheidet sich von der Nordsee durch geringeren Salzgehalt, weniger Gezeiten und höheren Nährstoffgehalt, bedingt durch den geringen Wasseraustausch mit dem Atlantik.

Der hohe Nährstoffgehalt bedingt ab und zu Algenblüten, meistens durch Blaualgen verursacht. Diese Massenentwicklungen von mikroskopisch kleinen Algen im freien Wasser erkennt man am grün, gelb oder rötlich verfärbtem Wasser, seltsamen Geruch und meistens auch starker Schaumbildung. Bei solchen Algenblüten sollte man nicht ins Wasser gehen, sie erzeugen fast immer gesundheitsschädliche Giftstoffe.

Ein typisches Phänomen in der Ostsee sind lokale massenhafte Häufungen von Ohrenquallen. Die sind harmlos, nesseln nicht, können aber irritierend wirken beim Schwimmen. Manche Menschen reagieren allergisch auf den Kontakt mit Ohrenquallen (lokale Rötungen).

Immer wieder für Schlagzeilen sorgen Bakterien, die speziell in der Ostsee (sie benötigen genau den Ostsee-Salzgehalt) im Boden vorkommen und ernsthafte Erkrankungen auslösen können beim Verschlucken des Wassers. Sie vermehren sich in warmen Wasser im Sommer und werden durch Badende aus dem Boden aufgewühlt. Gefährdet sind aber nur Personen mit geschwächtem Immunsystem, meistens ältere Leute.

Die nördliche Ostsee (Nordfinnland, Schweden) ist im Wesentlichen einfach ein Süßwassersee.

Mittelmeer - Reizvolles natürliches Gewässer mit Ecken und Kanten

Der Unterschied von Nord- und Ostsee zum Mittelmeer ist im Wesentlichen: Es gibt viel öfter Felsküsten und felsige Strände. Felsstrände sind viel interessanter als Sandstrände zum Schnorcheln, weil viel mehr bunte Fische herumschwimmen. Aber man kann sich leicht an den scharfkantigen Felsen eine Schürf- oder Schnittwunde zufügen. Die Felsen sind oft mit verschiedenen Bakterien besiedelt, die eine Wunde infizieren können. Daher ist es hier besonders wichtig, solche Wunden schnell zu desinfizieren.

Ein kleiner Pieks

Weitere relevante Gefahren sind Seeigel. Es gibt am Mittelmeer zwei Arten: die seltenen, völlig harmlosen violetten Seeigel mit stumpfen Stacheln und die an Felsküsten häufigen schwarzen Seeigel. Die schwarzen Seeigel sitzen immer auf Steinböden, nie auf Sand. Kommt man auch nur mit mäßigem Druck mit einem schwarzen Seeigel in Kontakt, bohren sich die Stacheln unter die Haut und brechen ab. Es ist ob ihrer Brüchigkeit fast unmöglich, sie mit einer Pinzette herauszuziehen, sie haben in etwa die Konsistenz von sehr grobporigen Porzellan oder Ton.

Er wird also auch nicht als ein festes Stück Stachel in der Haut stecken, denn er zerfällt sehr schnell ein einzelne winzige Bruchstücke. Ein solcher Stich kann sehr schmerzhaft sein, in etwa wie ein Wespenstich. Eine solche Stichstelle sollte man gründlich desinfizieren und zur Sicherheit von einen Arzt auf eine Entzündungsreaktion untersuchen lassen. In diesem Fall wird er zur Sicherheit Antibiotika verschreiben. Man liest im Internet viel Übertriebenes zur Giftigkeit oder Gefährlichkeit von Seeigeln.

 Ein Stich ist unangenehm und tut ein paar Tage weh – mehr aber nicht, wenn man desinfiziert und eine mögliche Entzündung behandelt. Kontakt mit Seeigeln kann man vermeiden, indem man Badeschuhe trägt, wenn man an Felsstränden badet. Zusätzlich kann es helfen, sich einmal mit einem Schnorchel umzusehen, ob überhaupt Seeigel vorhanden sind und wo genau sie sich aufhalten. Dann kann man absolut angstfrei baden. Seeigel sind aber auch ein Indikator für sauberes Wasser! Sie sind im Mittelmeer nicht gleichmäßig verteilt, Seeigel wandern übers Jahr hinweg zwischen tieferem Wasser und Flachwasser hin und her.. Bekanntermaßen viele Seeigel – aber auch sehr sauberes klares Wasser – gibt es an der östlichen Adriaküste.

Quallenalarm

Sonstige Gefahren (vor allem Quallen) sind prinzipiell die gleichen wie an Nord- und Ostsee. Sehr lästig können Leuchtquallen sein. Das sind sehr kleine Quallen, die man schlecht sieht, aber die bei Kontakt sehr schmerzhaft sind und allergische Reaktionen auslösen können. Es sind die einzigen Quallen, bei denen auch der Schirm und nicht nur die Tentakel nesseln. Auch sie treten saisonal auf, insbesondere häufig im späten August bis September in der ligurischen See. Faustregel zur Leuchtquallensaison: An belebten Stränden, an denen niemand akut davor warnt, sind zu diesem Zeitpunkt recht sicher keine Leuchtquallen. An einsamen Buchten hilft es, mal mit dem Schnorchel nachzusehen (in Schwimmrichtung nach vorne schauen). Leuchtquallen sind übrigens auch verbreitet und bekannt in Australien, dort berüchtigt als “purple stinger” (gleiche Sicherheitsvorkehrungen).

Die wichtigste Regeln in natürlichen Gewässern

Ansonsten gilt die einfache Regel: nichts anfassen unter Wasser. Hauptsächlich zum Schutz der Tiere unter Wasser – aber auch zum Eigenschutz. Das meiste, was im Meer herumschwimmt oder auf Felsen wächst ist harmlos, nichts greift aktiv Schwimmer an, aber die wenigen Tiere, die sich beim Anfassen verteidigen oder die dann nesseln erfordern meeresbiologische Grundkenntnisse zur Erkennung. Wichtig: Es besteht wirklich keine Gefahr, wenn man nichts anfasst. Einzig bei so speziellen Aktionen wie nachts zu schnorcheln (ab sehr spät abends, so ab Mitternacht) sind selten Raubfische unterwegs, die dann auch wirklich jagen und noch seltener neugierig kurz in eine Wade beissen. Beschrieben ist das z.B. für den Conger (Meeraal). Nachtschnorcheln am besten nur, wenn man sich auskennt oder über eine geführte Tour.

Gefahr durch Seegras?

Völlig ungefährlich, oft aber Bedenken auslösend weil unbekannt, sind Strände mit Seegraswiesen. Seegräser sind die einzigen höheren Pflanzen (also keine Algen), die mitten im Meer wachsen. An manchen Stränden (häufig z.B. auf Elba) beginnt eine Seegraswiese bereits in einer Wassertiefe, in der beim Baden die Seegrasblätter noch an den Beinen streifen können. Das kann irritieren, wenn man damit nicht rechnet. Beim Schnorcheln sehen Seegraswiesen aber sehr schön aus und es es gibt dort viele bunte Fische. Am Strand vor einer Seegraswiese gibt es oft einen kleinen Wall aus braunen angeschwemmten Seegrasblättern, an denen man die Existenz der Seegraswiese erkennt. Über Seegraswiesen sollte man sich freuen, denn von ihnen geht keine Gefahr aus und sie sind ein klarer Zeiger für sehr sauberes Wasser!

Unangenehmes am Strand

Es gibt tatsächlich am Mittelmeer Stechmücken, deren Larven im Meer leben. Lokal können die sehr häufig sein, was den Aufenthalt am Strand abends sehr unangenehm macht. Betroffen sind hauptsächlich felsige Strände. Sie übertragen keine Krankheiten, können aber sehr starke Hautreaktionen hervorrufen beim Stich. Man kann, wenn man weiß wie, bereits tagsüber abschätzen, ob es abends Mücken gibt. Sie benötigen viele stark poröse Steine direkt an der Luft/Wassergrenze als Lebensraum. Es gibt ein typisches Mittelmeerphänomen, der meeresbiologische Fachbegriff ist “Trottoir”. Das ist eine Art Steinauswuchs direkt an der Wasserkante am Felsen, der mit etwas Fantasie wie ein Promenadenweg aus Beton aussieht, daher der Name. Das Trottoir wird hauptsächlich von den Stechmückenlarven gebildet und besiedelt, wenn man so etwas sieht, kann man davon ausgehen, dass es Mücken gibt.

Den zweiten Teil des Gastbeitrages gibt’s hier: “Schwimmen in tropischen Gewässern” 

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