Schwimmen in tropischen Gewässern

Deine Reise führt dich weiter weg? Dich zieht es auf die Kanaren, in die Tropen oder in die Karibik? Dann lies unbedingt diesen Beitrag. Biologe Martin Woywod hat hier das Wichtigste zusammengefasst, was du bei deinen Badeausflügen in diesen natürlichen Gewässern beachten solltest.

Schwimmen im Süßwasser in den Tropen

Prinzipiell gilt in warmen Gebieten das Gleiche wie bei uns in Europa. Je größer und klarer der See, desto besser zum Schwimmen. Jedoch gibt es in den Tropen durchaus lokal Parasiten im Wasser, die Erkrankungen des Menschen verursachen können, die zum Teil recht unspezifisch und schwer zu diagnostizieren sind, z.B. die Schistosomiasis.

Gefahr durch Tiere in tropischen Flüssen

Ob Tiere im Wasser gefährlich sein können ist so pauschal nicht einfach abzuklären – es gibt viele regionale Unterschiede – vgl. die Anekdote mit den asiatischen Zwergottern. Oft werden die Gefahren auch hier überschätzt. Vor Krokodilen sollte man in jedem Fall Respekt haben, andere Wasserbewohner wie z.B. Wasserwarane in Asien sehen zwar beeindruckend aus, stellen aber kaum eine reale Gefahr dar. Wenn man die Wahl hat in den Tropen einfach besser im Meer schwimmen. Die Parasitengefahr fällt hier weg, und ansonsten ist alles sehr viel einheitlicher und klarer einschätzbar.

Im Süßwasser am besten ohne Detailkenntnisse nur an Stränden mit touristischer Infrastruktur und nur nach Information vorab vor der Reise schwimmen. Für Einheimische in vielen tropischen Ländern ist Baden und Schwimmen einfach kein Teil ihres Alltagslebens, sie kennen sich daher auch nicht gut aus. Oft werden einige Gefahren (oft vermeintlich gefährliche Tiere) stark übertrieben dargestellt, reale Gefahren (Parasiten) oft unterschätzt. Eine reale, wenn auch extrem unwahrscheinliche Gefahr in Süßgewässern, die ganzjährig über 20°C warm bleiben ist eine fast immer tödliche verlaufende Infektion mit einer parasitischen Amöbe names Naegleria fowleri.

Solche infektionen sind allerdings selten. Die Amöbe gelangt über die Nase ins Gehirn. Eine Infektion ist nur möglich, wenn Wasser in die Nase gelangt ist. Die Amöbe ist weltweit verbreitet, z.B. auch in warmen Quellen auf Island (hier gibt es seit einiger Zeit sogar Warnhinweise dazu). Die meisten Infektionen passieren aber in warmen Swimmingpools, die nur unzureichend gechlort oder unzureichend anderweitig sterilisiert sind.

Tropische und subtropische Meere allgemein

Hier gilt das gleiche wie im Mittelmeer: Nichts anfassen, Badeschuhe tragen, dann kann realistischerweise nichts passieren. Insbesondere sollte man keine Korallen anfassen. Das schadet den Korallen, denn man kann mit einer Handbewegung hunderte Jahre Wachstum zerstören – aber es schadet auch dem Menschen, den viele Korallen nesseln ähnlich stark wie Quallen.

Das sofortige Desinfizieren von Schnittverletzungen ist noch wichtiger als in kälteren Meeren, je wärmer, desto mehr infektiöse Bakterien an Felsen und Muschelschalen. Ansonsten gilt das gleiche zu Seeigeln, Quallen etc. Es gibt viele Tiere, die beeindruckend aussehen, z.T. giftig sind, aber völlig harmlos sind für Menschen, wenn man sie nicht z.B. am Schwanz zieht: Muränen, Barracudas, Wasserwarane, Seeschlangen …

Sonne - unterschätzte Gefahr an natürlichen Gewässern

Am gefährlichsten beim Baden in den Tropen ist die Sonne. Man kann sich leicht im Wasser einen starken Sonnenbrand einholen, denn das Wasser kühlt und man bemerkt den Sonnenbrand immer zu spät. Wasserfester Sonnenschutz mit Faktor 50 und UV-dichte Schwimmshirts helfen.

Was zwickt denn nun?

Was oft passiert in den Tropen und oft erschreckend wirkt, weil man nicht weiß was da passiert: Man steht irgendwo im brusttiefen Wasser oder schaut schnorchelnd bunte Fische an und plötzlich zwickt etwas leicht ins Bein. Erklärung: Das sind immer kleine Riffbarsche, die zwar niedlich aussehen und harmlos sind, aber zur Brutzeit todesmutig alles aus dem Weg räumen wollen, was im Weg steht vor der Bruthöhle, auch z.B. eine Schwimmerin. Riffbarsche sind weiter weg von ihrer Bruthöhle nicht aggressiv, sondern sehr neugierig und begleiten gerne Menschen beim Schwimmen. Größere Tiere, denen man begegnen kann beim Schnorcheln sind vor allem Meeresschildkröten und (vor allem im tropischen Pazifik) Riffhaie.

Meeresschildkröten sind harmlos. Manchmal schwimmen sie Menschen an, es kann dann auch zur Berührung kommen, wenn man nicht ausweicht . Der Grund für das Verhalten ist nicht klar bekannt, wahrscheinlich sind sie nur neugierig. Riffhaie (insbesondere Schwarzspitzenriffhaie) schwimmen oft mit Menschen einige Zeit mit. Auch vor ihnen muss man sich nicht fürchten. Die Gefährlichkeit von Haien wird massiv überschätzt. Einfach Abstand halten, nicht anfassen. Es gibt Berichte, dass Riffhaie zubeißen, wenn man einfach still im brusttiefen Wasser steht, weil sie das dann auf irgendeine Weise irritiert . Ob das wirklich stimmt, ist unklar. Man sollte aber in einem Korallenriff schon allein deshalb nicht herumstehen, weil man dann die Korallen schädigt.

Beim Sammeln von Muschelschalen und Schnecken muss man aufpassen: Kegelschnecken sind Raubtiere, die ihre Beute mit einem Giftstachel erlegen. Der kann auch einem Menschen gefährlich werden und einen Arztbesuch erfordern, wenn man eine lebende Schnecke in der Hand hält und gestochen wird. Wenn man Kegelschnecken nicht sicher erkennen kann, sollte man auch keine Schalen aufsammeln zur Sicherheit.

Schwimmen auf den Kanarische Inseln

Der Charakter des Meeres auf den Kanaren und Madeira ähnelt noch stark dem Mittelmeer hat aber auch schon einige tropische Charakteristiken. Wichtig: Sicher baden kann man nur an der an ausgewiesenen geschützten Badebuchten. Der ständig wehende Passatwind und die exponierte Lage der Inseln im Atlantik führt zu starken Strömungen und hohen Wellen. Warnungen und rote Flaggen immer ernst nehmen. Viele Inseln haben geschützte Meerwasserbecken direkt an der wind umtosten Nordküste, in die bei Flut Wellen hereinbrechen. Diese bieten eine Chance, völlig ungefährdet ein Bad in den Wellen zu nehmen (mit Badeschuhen, der Boden ist oft scharfkantig) .

Ein verbreitetes Phänomen im Atlantik und damit auch auf den Kanaren sind kurze elektrisierende Schmerzen beim schwimmen, wie bei einer Qualle, jedoch viel schwächer, meist bleibt nichts Sichtbares auf der Haut zurück oder nur eine schwache Rötung. Man sieht nirgends eine Qualle. Kann irritierend sein, ist aber harmlos. Das sind mikroskopische kleine Larven einer Hochseequallenart.

Vorsicht an karibischen Stränden

Viele (meist unberechtigt) im Pazifik als gefährlich tropische Meeresbewohner fehlen hier im Atlantik. Am Strand gibt es eine reale Gefahr, nämlich einen Baum: Die häufigste Baumart direkt am Strand ist der Manchineelbaum (auch Manzanilla genannt). Dieser enthält in allen Teilen ein starkes Kontaktgift, dass zu Hautverätzungen führen kann. Man sollte den Baum und dessen Blätter nicht anfassen und Kinder damit nicht spielen lassen. Wenn es regnet, kann das Gift abgewaschen werden und auf die Regentropfen übergehen – also nicht bei Regen unter einem Manchineelbaum unterstellen.

In üblichen Touristenstränden sind Machineelbäume oft mit Warnhinweisen markiert. Man sollte sich aber informieren, wie die Bäume aussehen (sind leicht zu erkennen). Manchineelbäume gibt es von Florida bis ins tropische Südamerika.

Schwimmen in der Karibik

Die bei den Kanaren erwähnten harmlosen aber nervigen Quallenlarven gibt es auch hier. Eine in der Karibik häufige Korallenart, die direkt in Strandnähe wächst ist die Elchkoralle. Sie sieht sehr beeindruckend wie ein großes Elchgeweih aus, hat aber die unangenehme Eigenart bis fast an die Wasseroberfläche zu wachsen und wie eine Qualle zu nesseln.

Auch hier hilft, sich mit dem Schnorchel umschauen, beim Schwimmen ohne Schnorchel am besten von Felsen und zu flachem Wasser an Felsstränden fernhalten. Leider sind vor einigen Jahren aus aus einem Schauaquarium Rotfeuerfische entkommen und haben sich über die ganze Karibik verbreitet. Sie schaden dem Riffökosystem und können lokal enorm häufig sein, viel häufiger als in ihrer Heimat, dem roten Meer.

Wenn man ihnen beim Schnorcheln begegnet, sollte man darauf gefasst sein, dass sie Menschen nicht ausweichen. Sie vertrauen voll auf ihre vielen Giftstacheln als Verteidigung. Besser einfach den Fischen ausweichen. Sie sind völlig harmlos, wenn man nicht aktiv in ihre Giftstacheln hineingreift. In Touristenzentren sorgen aber meist die Tauchlehrer dafür, dass die Rotfeuerfische weggefangen werden, um das Riff und damit auch ihre Lebensgrundlage als Tauchlehrer zu erhalten. Gegrillter Rotfeuerfisch schmeckt erstaunlich gut.

Schwimmen im tropischen Pazifik und der australischen Küste

Der Südpazifik und das rote Meer sind so die Quintessenz des tropischen Meeres mit Palmen und bunten Korallenriffen. Es gilt hier alles, was schon unter dem allgemeinen Teil zum Meer an sich und zu tropischen Meeren steht, insbesondere “nichts anfassen”. Einige besondere Bemerkungen:

Wer hat die Kokosnuss geklaut

In Südostasien gibt es öfters Makaken (also Affen) am Strand, die dort nach Krabben suchen – ihre bevorzugte Nahrung. Problematisch wird das, wenn sie gelernt haben, dass Touristen ebenfalls schmackhaftes Essen dabei haben. Sie können Wertsachen und Essen stehlen und sind oft aggressiv, besser Abstand halten (mindestens 5m) und die Taschen bewachen.

Abends sieht man oft Winkerkrabben (auffällig: Stielaugen, eine große und eine kleine Schere) am Strand aus Löchern auftauchen. Tagsüber und am frühen Abend sieht man nur kleine Krabben (so 2-5cm Länge) je später der Abend, desto größere tauchen auf. Man ist dann oft völlig überrascht, wenn man den Strand voller riesiger Krabben sieht. Sie sind aber völlig harmlos für Menschen.

Auch im Pazifik wird gezwickt

Berüchtigt sind die sehr giftigen Steinfische, die man schlecht sieht, weil sie sehr gut getarnt sind. Auch hier gibt es viele übertriebene Horrorgeschichten. Letztendlich macht es nicht viel Unterschied, ob man an der Nordsee auf ein Petermännchen oder in Nordaustralien auf einen Steinfisch tritt. In beiden Fällen ist das unangenehm, erfordert einen Besuch beim Arzt, und kann und sollte durch das Tragen von Badeschuhen (mit ausreichend dicker Sohle) wirksam verhindert werden. Steinfische gibt es quasi gar nicht an stark frequentierten Stränden – die mögen auch nicht, wenn man ständig auf sie tritt.

Die gefährlichsten Quallenarten

In Australien sind Stechrochen häufig. Hunderte “Common Stingarees” z.B. können lokal an Stränden den kompletten Boden bedecken. Man sollte sich erkundigen, ob Stechrochen, dort wo man badet häufig sind. Dann zum einen Badeschuhe tragen und zum anderen ruhig und langsam ins Wasser gehen, dann weichen die Rochen einem aus und man tritt nicht auf sie. Wenn man tatsächlich auf einen Stechrochen tritt, kann er mit seinem scharfen Schwanzstacheln Wunden an den Beinen verursachen, die einen Arztbesuch und Nähen erfordern. Aber auch hier gilt, keine Panik, mit diesen zwei Regeln hier kann praktisch nichts passieren. Man kann auch hier mit Schnorcheln wieder nachsehen, ob es viele Rochen gibt.

Wirkliche Gefahren in Nordaustralien sind Würfelquallen und Salzwasserkrokodile. Dort wo es sie gibt, sind aber überall sehr deutliche Warnhinweise und Infrastruktur zur ersten Hilfe vorhanden. Unbedingt bei Reisen nach Nordaustralien gut informieren. Das geht hier aber auch gut, weil die Infrastruktur zur Warnung und Information so gut ausgebaut ist. Würfelquallen in Australien sind die einzigen Quallen, bei denen nach Kontakt eine Behandlung mit Essig angezeigt ist – siehe allgemeine Hinweise zu Quallen. In Südaustralien (Etwa ab Nordgrenze New South Wales südwärts) gibt es weder Steinfische, noch Würfelquallen oder Salzwasserkrokodile (wohl aber Stechrochen).

Südlicher Pazifik (Süd-Neuseeland, Tasmanien, Südafrika)

Hat den Ruf kalt und voller Haie zu sein. Ersteres stimmt, letzteres ist oft unbegründet. Natürlich sollte man schon aus Naturschutzgründen nicht einfach so mit dem Boot z.B. zu einer Kolonie Seebären fahren um dort zu schnorcheln. Macht man das mit einer geführten Tour, dann stellt der Anbieter auch sicher, dass da kein weißer Hai in der Nähe ist, der gerne Seebären frisst. Schnorcheln über den Kelpwäldern (riesige Seetangwälder), die dort häufig sind, kann sehr desorientierend sein, weil sich die langen Kelppflanzen in den Wellen sehr stark bewegen.

Das Schwimmen in natürlichen Gewässern ist ein Highlight. Passt euer Verhalten entsprechend an und informiert euch über die lokalen Gegebenheiten, damit ihr den Aufenthalt im Wasser genießen könnt!

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