Lieber meinem Kind schwimmen beibringen? Oder doch klassischer Schwimmkurs?

Hast du die Nase voll von Wartelisten und Telefonschleifen, um dein Kind bei einem Schwimmkurs anzumelden? Und du fragst dich so langsam, “meinem Kind schwimmen beibringen” – wäre das nicht eine Alternative? In diesem Artikel findest du nicht nur die Antwort auf die Frage (denn die ist offensichtlich ja). Du findest auch noch viele Tipps und ich beantworte etliche Fragen rund um das Thema.

Welche Vorteile hat es, wenn ich meinem Kind schwimmen beibringe?

1. Dann Schwimmenlernen, wann es euch passt.

Der aus meiner Sicht größte Vorteil: Euer ganz privater Schwimmkurs fügt sich perfekt in euren Familienalltag ein. Ihr geht nur dann schwimmen, wenn es sich mit dem Arbeitsalltag aber auch dem Stundenplan eurer Kinder vereinbaren lässt. Und das beste: Ihr versauert nicht auf irgendwelchen Wartelisten. Die sind corona-bedingt ja explodiert und viele Schwimmschulen können einen Kursplatz erst in einem halben Jahr oder noch später anbieten. 

2. Maximales Vertrauen zwischen Schwimmlehrer und -schüler

Ganz wichtiger Erfolgsfaktor beim Schwimmenlernen: Vertrauen zwischen dem Kursleiter und seinen Schützlingen. Ihr merkt schon, worauf ich hinaus will, oder? Wenn ihr eurem Kind das Schwimmen selber beibringt, dann müsst ihr kein Vertrauen aufbauen. Das ist nämlich schon da!

3. Wassersicherheit im Fokus

Du hast vielleicht schon gehört, dass in Deutschland der Schwimmbadmangel ein riesiges Problem ist. Für Kursanbieter und Schulen stehen nur sehr begrenzt Bahnzeiten zur Verfügung. Klar, dass diese kostbare Zeit dann auch mit möglichst im Wasser verbracht werden soll. Das Thema Wassersicherheit kommt dann häufig leider zu kurz.

Du willst mehr zum Thema Wassersicherheit wissen? Dann melde dich für meinen kostenlosen Workshop an. Dort geht es u. a. um Sicherheit am Wasser. Aber auch darum, wie du die Grundlagen des Schwimmens mit deinem Kind zuhause üben kannst.

4. Momente für’s Familienalbum schaffen

Ich sag es hier ganz ehrlich: Ich mag keine Spielplätze. Ich fühle mich da immer überflüssig – meine Kids kommen da auch ganz gut ohne mich zurecht. Und ob wir jetzt auf den Spielplatz gehen, oder mit Kreide Bilder auf den Gehweg malen. Egal. Aber im Schwimmbad. Im Schwimmbad da ist das ganz anders. Da weiß ich: Jede Minute, die sie im Wasser sind, lernen sie etwas. Wenn wir hier wieder rausgehen, dann sind die dem sicheren Schwimmen wieder ein bisschen näher gekommen. Und ich weiß: Sie werden heute Nacht gut schlafen. Aber für mich das wichtigste: Im Schwimmbad haben wir alle immer maximal Spaß. Und das obwohl ich selber keine Wasserratte bin, Wasser im Gesicht nicht mag, immer nur mit Schwimmbrille tauche (Kontaktlinsen) und es hasse, wenn ich vollgespritzt werde.

5. Wer soll’s denn sonst machen

Jetzt kommt hier ein bisschen real-talk: Als Elternteil bist du für die Sicherheit seines Kindes verantwortlich. Egal, ob zuhause, im Wald oder eben an oder im Wasser. Es ist also deine Verantwortung es gegen mögliche Gefahren so gut es geht abzusichern. Und du hast es vielleicht schon einmal gehört: “Schwimmen ist die beste Versicherung gegen das Ertrinken”. Und wenn es deine Verantwortung ist, dass dein Kind schwimmen lernt, kannst du den Job auch gleich selber übernehmen, oder

6. Mehr Individualität geht nicht

Jedes Kind ist anders – dazu brauchst du dich nicht an einen Beckenrand zu setzen und Kinder zu beobachten. Du hast das schon längst gemerkt. Kinder entwickeln sich körperlich unterschiedlich, sie haben unterschiedliche Interessen und sie haben an unterschiedlichen Dingen Spaß. Bringst du deinem Kind das Schwimmen selber bei, kannst du ganz individuell seine Stärken fördern und an den Dingen arbeiten, die ihm Spaß machen. Gerade beim Schwimmen lernen ist es egal, in welcher Reihenfolge Kinder die einzelnen Grundfertigkeiten kennenlernen. Kinder, die keine Lust haben, auf dem Rücken zu schweben, können trotzdem wunderbar schwimmen lernen.

Gibt es Gründe, seinem Kind das Schwimmen nicht beizubringen?

Es gibt einige wenige medizinische Kontraindikationen, die dagegen sprechen, dass ein Kind schwimmen lernt bzw. schwimmt. Ansonsten sind es diese drei Glaubenssätze oder Vorurteile, die auch gerne Experten als Gegen-Argumente aufzählen. Meine Antworten darauf liefere ich euch natürlich gleich mit:

1. Ich habe keine Zeit, meinem Kind schwimmen beizubringen.

Gibt es einen Tag in der Woche an dem du zwischen 07h morgens und 19h abends zwei Stunden oder mehr mit deinem Kind verbringst? Ja? Dann hast du Zeit deinem Kind schwimmen beizubringen. Mehr Zeitinvestment pro Woche braucht es nicht. Und wenn du mit deinem Kind noch ganz am Anfang stehst, brauchst du für die ersten Schritte noch nicht einmal das Haus zu verlassen und es reichen 2 x 15 Minuten pro Woche aus.

2. Ich habe Angst, dass ich meinem Kind die falsche Technik beibringe.

Am Anfang geht es erst einmal gar nicht darum, dass dein Kind eine “Technik” lernt. Wichtig ist, dass sich dein Kind ans Wasser gewöhnt und Dinge wie Tauchen oder die korrekte Atmung lernt. Und selbst wenn es um die Fortbewegung geht, empfehle ich meinen Kursteilnehmern das “freie Schwimmen”. Dabei sucht sich dein Kind seinen ganz eigenen Schwimmstil.  

3. Ich kann meinem Kind nichts beibringen.

Ich wette mit dir, dass du deinem Kind schon sehr viel beigebracht hast. Laufen, Sprechen, Zähneputzen, Radfahren, Verkehrsregeln, wie es im Haushalt hilft, wie es aufräumt…ich könnte die Liste sicherlich noch weiterführen. Aber ich denke, du verstehst, worauf ich hinaus will? Das alles hast du geschafft. Obwohl du vermutlich nicht in Zahnmedizin promoviert hast. Und vermutlich hast du auch keine Ausbildungen in Physiotherapie und Logopädie abgeschlossen t. Und falls doch: Bist du auch noch bei der Verkehrspolizei? All das hast du deinem Kind beigebracht. Das war sicherlich nicht immer einfach, aber du hast es geschafft. Und du kannst deinem Kind auch das Schwimmen beibringen. Warum ich mir da so sicher bin?

  1. Ich hab’s auch geschafft. Meinen drei Kindern bringe ich auch das Schwimmen bei. Und glaube mir, der Älteste und ich, wir “diskutieren gerne” – um es etwas schönzureden. 

  2. Mein Schwimmenlernen gibt es keinen vom Kultusministerium vorgegebenen Lernplan. Es gibt keinen Stundenplan für den ihr euch verbiegen müsst. Ihr macht das, was euch gefällt. Nein. Falsch. Ihr macht das, was deinem Kind gefällt. Hört sich an, wie rosa Wolke und viel Plüsch? Vielleicht. Ist aber wissenschaftlich fundiert, nennt sich genetisches Lernen und wird gerade im Bereich der Sportdidaktik häufig eingesetzt.

Ab welchem Alter können Kinder schwimmen lernen?

Grundsätzlich sollte man erst mit Kindern ins Schwimmbad gehen oder mit einer Wassergewöhnung zuhause starten, wenn sie in der Lage sind, ihren Kopf selbstständig zu halten. Ab dann kann’s losgehen. Je früher man damit startet und je häufiger du mit deinem Kind ins Wasser gehst, desto größer werden die Fortschritte sein, die du beobachten kannst. Ich zeige das gerne am Beispiel meiner Kinder: 

Bei meinem Großen fiel der Startschuss zum “Schwimmenlernen” sehr spät. So richtig gestartet sind wir erst kurz nach seinem 4. Geburtstag. Innerhalb von 7 Monaten hat er dann alles gelernt, was es zum Seepferdchen braucht – kann also mind. 25m Schwimmen, tauchen (auch mehr als die geforderte Distanz), springt wie ein Weltmeister und kann die Baderegeln.

 

Bei meiner “großen” Tochter ging es dementsprechend früher los. Sie war ca. 1.5 Jahre alt, als es losging. Sie konnte vor ihrem 2. Geburtstag ins Wasser springen, ein paar Meter tauchen und selbstständig aus dem Becken klettern. Kurz vor ihrem 3. Geburtstag hat sie dann das erste Mal eine Strecke von ca. 6m schwimmend zurückgelegt.

Tja und die Kleine – sobald sie den Kopf halten konnte, ging es los. Aktuell (1 Jahr alt) üben wir die richtige Atmung, das Herausklettern aus dem Becken und den sicheren Einstieg.

Wie lange dauert es, bis mein Kind schwimmen kann?

Die Antwort ist ganz einfach: So lange es eben dauert 😉 Auf die Frage gibt es leider keine bessere Antwort. 

Aber es gibt einige Dinge, die du als Elternteil dafür tun kannst, die sich positiv auf die Schwimmfähigkeit deines Kindes auswirken:

  • Je häufiger du mit deinem Kind ins Wasser gehst, desto schneller, wirst du Fortschritte sehen
  • Spaß!
  • Die optimale Wassertemperatur 
  • Entwickle Routinen, diese schaffen Sicherheit
  • Regelmäßige Koordinationsübungen – gerade im Trockenenen 

Natürlich spielt natürlich auch das Alter oder besser der Entwicklungsstand deines Kindes eine Rolle. Eine Einjährige ist rein von der Koordination und vom Körpergefühl her in der Lage 50m durch’s Becken zu kraulen. Ein 6jähriger, der nie gelernt hat, den Kopf unter Wasser zu tauchen, aber eben auch nicht.

Sind Schwimmhilfen sinnvoll, wenn ich meinem Kind schwimmen beibringe?

In meinem Beitrag zum Thema Schwimmhilfen gehe ich intensiv auf die Vor- und Nachteile von Schwimmhilfen ein. Um es ganz kurz zu machen: Beim Schwimmenlernen sind sie aus meiner Sicht kontraproduktiv und ich lege dir ans Herz sie wegzulassen. Gerade, wenn dein Kind schwimmen lernen soll, ist es wichtig, dass es den Auftrieb des Wassers erfährt und lernt, was das Wasser mit seinem Körper macht. Mit Schwimmhilfen wird dieses Gefühl verfälscht.

Wie sieht es mit einer Schwimmbrille aus? Ist die sinnvoll?

Auch zum Thema Schwimmbrille gibt es auf meinem Blog einen langen Beitrag. Ich rate allen Eltern immer, es erst einmal ohne Brille zu versuchen. Wenn es aber gar nicht klappt – ja dann nutzt eine Brille. Warum? Eine Brille kann eine ganz tolle Abkürzung sein um bspw. die Grundfertigkeit tauchen zu lernen und ihr macht ganz einfach schneller Fortschritte. Und dank Online-Ticketing und fest vorgegebenen Slots ist unsere Flexibilität in Sachen Schwimmbadbesuch eh ein wenig eingeschränkt. Ich finde daher, dass man die Zeit, die man im Schwimmbad hat, effizient und maximal nutzen sollte. Zuhause könnt ihr dann das Eintauchen ins Wasser ohne Brille üben.

Was kann ich falsch machen, wenn ich meinem Kind Schwimmen beibringe?

1. Es nicht machen

Das Schlimmste, was du tun kannst: Es nicht zu tun. Aber alleine die Tatsache, dass du diesen langen Beitrag bis hierhin durchgelesen hast, zeigt mir: Den Fehler wirst du nicht machen. 

2. Keinen Plan haben

Schwimmlernen ist nichts, was innerhalb von 2-3 Stunden einfach so passiert. Es ist ein längeres Vorhaben und es lohnt sich – ähnlich wie in der Vorbereitung für einen Marathon – einen Trainingsplan zu erstellen. Wichtig: Schwimmenlernen ist kein Marathon! Wer das behauptet ist noch nie einen Marathon gelaufen (denn das ist anstrengend, danach tut einem alles weh und man hat währenddessen wenig zu lachen). Es ist eher wie das Training für den Marathon: Abwechslungsreich, mal mit Laufpartnern – mal alleine. Meistens locker aber in der Regel eben gut geplant. Überlege dir, wann ihr ins Schwimmbad geht und setze dir als Elternteil auch ruhig Ziele an welchen Grundfertigkeiten, du mit deinem Kind arbeiten möchtest.

3. Nicht vom Plan abweichen

Der beste Plan der Welt bringt dir nichts, wenn dein Kind nicht mitzieht. Daher bleib flexibel bei der Umsetzung deines Planes. Dein Kind hat keine Lust aufs Tauchen? Wenn du dich mit allen Grundfertigkeiten des Schwimmens auskennst, dann ist das kein Problem. Dann kannst du deinem Kind spielerisch zeigen, welche Alternativen es gibt.

Wo soll ich nur starten?

Du kannst genauso starten wie ich: Recherche, Recherche, Recherche. Stunden- und tagelang. Oder du fängst heute schon an. 

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