Schwimmkurs und Corona – die 5 wichtigsten Fakten

Auf meinen Social Media Kanälen habe ich immer wieder mal gefragt, ob und wie sich die Pandemie auf den Schwimmunterricht und das Kursangebot für Kinder auswirkt. Leider berichten viele Follower von ausgefallenen Kursen, von immer länger werdenden Wartelisten aber auch von ihrer Angst jetzt – bei steigenden Fallzahlen – ins Schwimmbad zu gehen. Daher gibt’s hier eine Sammlung mit den wichtigsten Fakten zum Thema Schwimmkurs und Corona.

Fakt 1: Keine erhöhte Ansteckungsgefahr beim Schwimmen – aber…

Du machst dir Sorgen um eine Übertragung der Infektion über das Wasser? Keine Sorge – da sind sich alle einig: Aus zwei Gründen ist eine Ansteckung im Wasser sehr sehr unwahrscheinlich:

  1. Das Chlor desinfiziert das Badewasser und sorgt dafür, dass Keime wie Corona abgetötet werden. Die Corona-Viren werden sogar einfacher abgetötet als bspw. Noro- oder Adenoviren.
  2. Im Wasser gibt es einen großen Verdünnungseffekt und die Viruslast pro Liter Wasser wird, selbst wenn sich ein infektiöser Schwimmer im Wasser aufhält, sehr gering.

Außerdem haben Studien gezeigt, dass eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit (wie sie im Schwimmbad vorherrscht) dafür sorgt, dass Aerosole schneller zu Boden fallen. Auch das dürfte dazu führen, dass zumindest im Beckenbereich, dass Ansteckungsrisiko geringer ist. 

Aber – natürlich gibt es in Schwimmbädern und gerade in Hallenbädern ganz viele Situationen außerhalb des Wassers, bei denen ein Risiko für eine Ansteckung besteht. Da die meisten Schwimmbäder auf digitale Tickets umgestellt haben, entfällt Gott sei Dank das – auch ohne Corona – lästige Anstehen an der Kasse in vielen Bädern. Allerdings gibt es immer noch Situationen wie in der Umkleide, beim Duschen oder beim Betreten bzw. Verlassen des Bades bei denen es theoretisch zu einer Ansteckung kommen kann. Da gilt wie überall sonst auch: AHA. Meine Kinder sind zwar noch unter 6 Jahren und nicht zum Maske-Tragen verpflichtet, allerdings versuche ich sie immer davon zu überzeugen, die paar Minuten auf dem Weg in die Umkleide und auf dem Weg aus dem Schwimmbad heraus, eine Maske zu tragen. 

Auch gestalte ich den Aufenthalt außerhalb des Beckens möglichst kurz: Föhnen und Duschen heben wir uns für zuhause auf. Die Haare werden im Schwimmbad schnell trocken gerubbelt und bis wir zuhause sind, eben eine dicke Mütze aufgesetzt. 

Wie sicherlich die meisten von euch gehe ich ohne Handy ins Schwimmbecken. Ich stelle aber sicher, dass es immer angestellt im Schrank der Umkleide eingeschlossen ist. So kann ich sicherstellen, dass die Corona Warn-App auch im Schwimmbad aufzeichnet. Sicherlich nicht so genau, wie bspw. im öffentlichen Nahverkehr, für mich aber immer noch besser als keine Aufzeichnung.

Fakt 2: Viele Hallenbäder sind wieder geöffnet

Während über den Sommer hinweg viele Hallenbäder einfach geschlossen blieben, sind sie aktuell wieder bzw. noch geöffnet. Wie überall gelten aber auch hier Hygienemaßnahmen und neue Vorschriften:

  • Im Schwimmbad gilt fast überall: AHA. Die Maske muss im Wasser natürlich nicht getragen werden, aber auch beim Schwimmen gilt es Abstand zu halten. In fast allen Schwimmbädern wird auf der Bahn daher nur noch im Kreisverkehr geschwommen, um den Abstand zwischen den Schwimmern zu wahren. 
  • Ähnlich wie auch im Freibad gilt eine Obergrenze an Besuchern.
  • Um aber möglichst vielen das Schwimmen zu ermöglichen, wird im Schichtbetrieb geschwommen. Viele Bäder haben Früh- und Spätschichten von rund zwei Stunden eingerichtet, die den Sportlern die Möglichkeit gibt, ihre Bahnen zu ziehen. Dazwischen gibt es meistens noch 2 familiengerechte längere Zeiträume. Zwischen den einzelnen Schichten wird übrigens ordentlich gereinigt und desinfiziert.
  • Um Schlangen an der Kasse zu vermeiden und die Besucherzahl steuern zu können, haben viele Bäder ein online Ticketing-System eingeführt.
  • Einige Schwimmbäder haben Desinfektionsmittel an den wesentlichen Bereichen im Schwimmbad aufgestellt. 

Fakt 3: AHA im Schwimmkurs nicht immer einhaltbar

Im Schwimmkurs können die Abstandsregeln nicht immer eingehalten werden. Kinder zieht es ja dann doch magisch zueinander, sie wollen miteinander spielen oder einfach quatschen. Um das Risiko einer Übertragung im Schwimmkurs weiter zu senken, setzen viele Anbieter auf

  • Reduktion der Zahl der Kursteilnehmer
  • Desinfektion des Unterrichts-Materials vor und nach dem Gebrauch (bspw. Poolnudel oder Brett)
  • Einsatz von Maske oder Visier, wenn der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann

Fakt 4: Schwimmen Können ist wichtig – trotz Corona

Dem Virus ist es ziemlich egal, dass 2020 so wenig Kinder wie noch nie Schwimmen gelernt haben und an ihrer Schwimmfähigkeit arbeiten konnten. Alleine die DLRG hat 2020 mindestens 30.000 Kindern das Schwimmen nicht beibringen können. Dazu kommen noch die Kinder, die normalerweise in privaten Schwimmschulen und in der 3. Klasse der Grundschule schwimmen gelernt hätten. Eine Farce – auch dann, wenn der nächste Strandurlaub noch gar nicht in Sicht ist. Denn auch Teiche, Seen und Flüsse sind Gewässer, die für Kinder potentiell gefährlich sind und trotz Corona “geöffnet” haben. In einem Schwimmkurs erfahren Kinder “am eigenen Leib”, welche Eigenschaften Wasser hat und erhalten dort die Chance zu erfahren, was Wasser mit ihrem Körper macht und dass es keine gute Idee ist, in voller Montur in den Teich des Nachbarn zu springen.

Fakt 5: Es gibt Alternativen zum Schwimmkurs während Corona

Falls euer Kind gerade nicht die Möglichkeit hat einen Schwimmkurs zu besuchen, oder euch die Situation zu unsicher ist, gibt es vieles, was ihr mit euren Kindern machen könnt, um an den Themen Wassersicherheit und Schwimmfähigkeit zu arbeiten:

  1. Fitness-Programm für die Kleinen

Auch wenn euer Kind eigentlich schon schwimmen kann, solltet ihr gerade in dieser verrückten Zeit darauf achten, dass es körperlich in einer guten Verfassung ist. Achtet darauf, dass sich euer Kind viel bewegt und dabei möglichst viele verschiedene Muskelgruppen angesprochen werden. Radfahren und Toben sind toll für die Grundausdauer – aber wenn ihr die Möglichkeit habt, Klettern zu gehen, trainiert ihr auch die für das Schwimmen wichtige Oberkörpermuskulatur.

  1. Lebt Wassersicherheit

Auch ohne Schwimmbad und trotz Corona gibt es zahlreiche Möglichkeiten Wasser zu erleben und Wassersicherheit zu thematisieren. Sei es bei einem gemeinsamen Spaziergang am Wasser, in der Badewanne oder bei einigen spannenden Experimenten mit Wasser. Schöne Ideen für Experimente mit Wasser findet ihr übrigens auf Ginas tollem Blog.

  1. Selber schwimmen gehen

Geht mit euren Kindern schwimmen. Auch wenn es kein Schwimmbad in der Nähe gibt, das aktuell geöffnet hat, sucht euch eines, das etwas weiter weg ist und versucht mind. 1x im Monat zu gehen. So könnt ihr euren Kindern (weiter) das Gefühl für Wasser vermitteln und ihnen entweder neue Fähigkeiten beibringen oder dafür sorgen, dass sie alte nicht verlieren.

4. Grundlagen des Schwimmens selber beibringen

Für die wichtigsten Grundlagen des Schwimmens müsst ihr noch nicht einmal in ein Schwimmbad gehen. In einem Video erkläre ich euch detailliert, welche Grundlagen des Schwimmens ihr euren Kindern einfach selber beibringen könnt, ohne das Haus verlassen zu müssen.

Schwimmbad trotz Corona: Eine Entscheidungshilfe

Zum Abschluß noch einige weitere Punkte, die es bei der Frage Schwimmbad ja oder nein zu berücksichtigen gilt:

  1. Persönliche Wassersituation

Welche Rolle spielt Wasser in eurem Leben und in eurer Umgebung? Wenn ihr keinen Pool zuhause habt, keinen Urlaub am Meer / See plant und auch der Nachbar keinen Teich hat, ist warten für euch sogar eine Option.

  1. Die epidemiologische Gesamtsituation

Berücksichtigt bei eurer Entscheidung die 7-Tages Inzidenz und Gesamtfallzahl in eurer Region. Und stellt euch die Frage, wo die Fälle vermehrt aufgetreten sind. Handelt es sich um Cluster-Ausbrüche, die schnell lokalisiert und eingedämmt wurden (Stichwort Schlachthof) oder gibt es gleich mehrere Infektionsherde die für die steigenden Fallzahlen verantwortlich sind?

  1. Hin- und Rückweg planen

Da das Infektionsrisiko in den öffentlichen Verkehrsmitteln sicherlich höher ist als im eigenen Auto oder auf dem Rad, solltet ihr bei euren Überlegungen auch diesen Punkt berücksichtigen.

  1. Tageszeit

Auch nicht unerheblich ist der Zeitpunkt zu dem ihr ins Schwimmbad geht. Gerade Spaßbäder sind am Wochenende und am späten Nachmittag voller als unter der Woche oder am Vormittag. Und je mehr Menschen, desto höher das Infektionsrisiko. Für mich auch ein Grund Schwimmkurse zu meiden.

Zum Schluss habe ich für euch noch ein ganz praktisches Beispiel, wie wir uns beim Thema Schwimmkurs und Corona entschieden haben:

Wir werden ziemlich sicher unseren nächsten Sommerurlaub wieder am Meer und am See verbringen. Daher ist es mir wichtig, dass unsere Kinder weiter an ihrer Schwimmfähigkeit arbeiten und mit dem Wasser vertraut bleiben. Gerade bei unserer Mittleren merke ich, dass sie zwar wahnsinnig schnell lernt, aber auch wieder vieles vergisst und sich neu erarbeiten muss, wenn sie länger nicht im Wasser war. Also gibt es bei uns ein Grundsätzliches “Ja” wir gehen weiter ins Schwimmbad, berücksichtigen dabei aber folgendes:

  • Aktuell (Oktober 2020) gehe ich nur mit unseren beiden “Großen”. Mit der Kleinen wird das Babyschwimmen einfach in die Wanne verlegt. 
  • Wir gehen auch nicht mehr als gesamte Familie ins Schwimmbad und machen es uns dort gemütlich. Meistens gehe ich mit einem oder beiden großen Kids für eine Stunde wir üben gezielt an der Schwimmfähigkeit, Rutschen u. ä. habe ich schweren Herzens gestrichen. 
  • Zur Abwechslung nehmen wir den ein oder anderen Freund aus dem Kindergarten mit.
  • Und das eigentlich immer mit dem Auto. Für das Fahrrad ist es jetzt schon zu kalt und die Öffentlichen kommen aus Gründen des Infektionsrisikos für mich momentan nicht in Frage. 
  • Wie schon erwähnt liegt das Handy mit aktiviertem Bluetooth immer im Schrank.
  • Geduscht und geföhnt wird bei uns erst zuhause, um die Zeit im Schwimmbad wirklich auf ein Minimum zu reduzieren.

Noch mehr zum Thema Schwimmen, Schwimmkurs und Corona erfahrt ihr in meinen älteren Beiträgen

Quellen: 

Jones D et al. 2020

Spica R et al. 2020

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