Wo Schwimmenlernen am besten klappt

Gerade in den Sommermonaten werde ich in meinen Workshops immer wieder gefragt wo Schwimmenlernen denn am einfachsten sei.   Die Antwort darauf ist eigentlich ganz einfach: Grundsätzlich eignen sich alle Arten von stehendem Gewässer unabhängig von der Tiefe und Größe, um Kindern die Grundlagen des Schwimmens beizubringen. Da regelmäßiges Üben und Wiederholen einer der Erfolgsfaktoren beim Schwimmenlernen ist, ist für mich der beste Ort, um Schwimmen zu lernen, der den man am häufigsten aufsuchen kann. Wir sehen uns gleich einmal gemeinsam die einzelnen Möglichkeiten mit ihren Vor- und Nachteilen an und ich gebe Tipps, was du bei den einzelnen Gewässern berücksichtigen solltest.

Schwimmenlernen im Meer

Ja, es gibt sie. Menschen die in unmittelbarer Nähe des Meeres leben und die Möglichkeit haben, ihrem Kind dort das Schwimmen beizubringen. Und grundsätzlich spricht auch nichts dagegen. Der Nachteil, wenn du mit deinem Kind im Meer startest: Der Wellengang, trübes Wasser und der unebene, sandige Untergrund machen es nicht gerade einfacher als in einem Pool. Weil es jedoch physisch wie mental anspruchsvoller ist, entwickeln Kinder, die im Meer Schwimmen lernen eine andere Schwimmfähigkeit. Ein weiterer Vorteil ist der Salzgehalt im Wasser. Dieser führt dazu, dass Kinder leichter auf dem Wasser treiben.

Tipps für das Schwimmen(lernen) im Meer

Egal ob dein Kind Schwimmanfänger ist oder das erste Mal im im Meer schwimmt, mache es als erstes mit dem Wellengang vertraut. Wate auf ca. Knietiefe mit ihm ins Wasser, lasse es die Wellen spüren und zeige auf die heran rollenden Wellen. Helfe deinem Kind dabei zu verstehen, welche der herankommenden Wellen groß ist und welche weniger stark ausfallen.

Sobald sich dein Kind im Wasser wohl fühlt und der Wellengang nicht zu ausgeprägt ist, kannst du anfangen Übungen und Spiele zum Erlernen der Grundlagen einführen. Beachte dabei, dass es im Meer eben keine Leiter, Treppe oder einen Rand gibt, an dem dein Kind sich festhalten kann.

Eine Anmerkung noch zum Schwimmstil: Ich bin ja ein großer Verfechter des Rückenschwimmens als ersten Schwimmstil für Kinder. Für alle, die ihren Kindern das Schwimmen in natürlichen Gewässern beibringen, empfehle ich jedoch das Kraulen auf dem Bauch als erste Schwimmart. In natürlichen Gewässern ist das Rückenschwimmen tatsächlich nicht so praktisch. Ohne Begrenzung und Linien an der Decke ist es für Rückenschwimmer sehr schwer die Orientierung zu behalten.

Strömungen im Meer

Ein wichtiger Aspekt beim Schwimmen im Meer sind Strömungen. Einen tollen Beitrag zu dem Thema mit eindrucksvollem Bildmaterial findest du auf dem Blog von Meerdavon. Hier in aller Kürze die wichtigsten Sicherheitshinweise im Hinblick auf Strömungen: Informiere dich vorab über lokale Gegebenheiten (Hinweisschilder, Gespräche mit Locals oder Rettungsschwimmern)

  • Prüfe das Wasser und versuche Strömungen selber zu erkennen. Wie das geht findest du auch ausführlich im Beitrag auf Meerdavon beschrieben.

  • Strömung und Wellen können dazu führen, dass Schwimmer abgetrieben werden. Bringt eurem Kind schon früh bei, dass es immer wieder den Kopf hebt und prüft wie weit es bereits vom Strand und vom ursprünglichen Einstiegsplatz entfernt ist.

  • Solltest du oder dein Kind doch einmal in eine Strömung geraten: Niemals gegen die Strömung anschwimmen. Entweder versuchen parallel zum Ufer aus ihr herauszuschwimmen. Oder lasse dich einfach von der Strömung treiben. So sparst du bzw. dein Kind Kraft und da eine Strömung häufig kreisförmig verläuft, trägt sich dich am Ende auch wieder ein Stück Richtung Strand.

  • Vermeide Stellen im Meer an denen ein Fluß ins Meer mündet, da hier im schlimmsten Fall mehrere Strömungen zusammen kommen.

Wie bei allen natürlichen Gewässern gilt auch am Meer: Gehe nur an bewachten Badestellen schwimmen und beachte geltende Badeverbote und weitere Regelungen.

Schwimmenlernen im See

… ist für viele meiner Leser hier sicherlich relevanter als die Fragestellung im Meer. Dennoch gibt es auch hier einiges, worauf du achten solltest:

1) Untiefen und Abbruchkanten im See

Gerade die typischen deutschen Baggerseen haben Abbruchkanten und innerhalb von wenigen Zentimetern geht es von einer Wassertiefe von etwas über einem Meter runter auf sechs Meter. Dieses Gefühl wenn der Boden unter den Füßen verschwindet, möchte ich meinen Kindern gerne ersparen. Du auch? Dann informiere dich über Untiefen oder prüfe die Wassertiefe im See erst einmal alleine ohne dein Kind.

2) Sprungschichten

Ein weiteres Thema sind temperaturbedingte Sprungschichten. An der Oberfläche noch ist das Wasser herrlich warm, aber in der Tiefe deutlich unter 20°. Wer darauf nicht vorbereitet ist, bspw. unabgekühlt in den See springt, kann einen Schock erleiden.

3) Ein- und Ausstieg

Wenn ihr im See schwimmen geht achtet darauf, dass das Ufer einen leichten Ein- und Ausstieg ermöglicht. Viele Seen hier in der Region haben einen kleinen Uferstreifen und steigen dann steil an, so dass man nach dem Baden erst einmal eine Runde klettern muss. Mit müden Kindern nicht immer ein Vergnügen.

4) Flora und Fauna

Gehört zu natürlichen Gewässern dazu. Wasserpflanzen, Fische und Wasservögel. Bereite dein Kind darauf vor, dass beim Schwimmen im See auch mal eine Pflanze seine Beine streifen kann. Sobald ihr im Wasser seid, versuchst du dein Kind diesem Reiz gezielt auszusetzen, damit du seine Reaktion beobachten kannst und nicht auch noch davon überrascht wirst.Schwimmenlernen im eigenen PoolAber

Schwimmenlernen im eigenen Pool

Wer einen eigenen Pool im Garten oder im Haus hat, hat meist optimale Bedingungen, um seinem Kind das Schwimmen beizubringen. Dabei spielen Wassertiefe und Größe des Pools gerade bei Schwimmanfängern zunächst keine Rolle. Selbst ein kleiner Pool oder gar ein großes Planschbecken sind geeignet, um dem eigenen Kind wichtige Grundlagen des Schwimmens beizubringen. Wenn es dann darum geht größere Distanzen zurückzulegen, kommt man zwar an einem öffentlichen Bad mit 25m Becken nicht vorbei, aber bis es so weit ist, kann man zuhause schon einiges lernen.


Der große Vorteil des eigenen Pools ist, dass er sich in unmittelbarer Nähe befindet und man wirklich oft üben kann – der Erfolgsfaktor No 1 beim Schwimmenlernen. Außerdem ist Ablenkung durch andere Kinder, die Pommesbude oder die Rutsche von vornherein ausgeschlossen. Ein Nachteil ist, dass du mit deinem Kind im eigenen Pool keine professionelle Badeaufsicht hast. Daher empfehle ich dir auch im eigenen Pool immer nur in Begleitung deines Partners Schwimmen zu gehen oder für den Fall der Fälle das Handy in die Nähe zu legen, um schnell den Notruf wählen zu können. Auch sollte der eigene Pool immer ausreichend gesichert sein, wenn er gerade nicht genutzt wird. Noch mehr Tipps für mehr Sicherheit am Pool findest du übrigens auch hier im Blog.

Schwimmenlernen im Schwimmbad

Sicherlich der Klassiker wenn es ums Schwimmenlernen geht: Das öffentliche Schwimmbad.

Der Vorteil ist sicherlich, dass du dir hier am wenigsten Gedanken machen musst: Wassertemperatur, Aufsicht und sanitäre Einrichtungen – das erledigen die Schwimmbadbetreiber für dich. Auch gibt es mittlerweile in vielen Bädern die Möglichkeit sich Poolnudeln, Schwimmbretter, Tauchringe u. ä. auszuleihen, so dass du wirklich nur noch wenig von zuhause mitnehmen musst. Größere Schwimmbäder bieten auch viel Abwechslung mit unterschiedlichen Becken, Rutschen und einem Sprungturm.

Die Kehrseite der Medaille: Diese vielen Möglichkeiten und die anderen Besucher bieten ein großes Ablenkungspotential. Du wirst jedoch merken, dass sich das mit der Zeit legt, vor allem dann, wenn du deinem Kind die Möglichkeit gibst, das Schwimmbad ausreichend zu erkunden.

Aufgrund von Corona sind die Schwimmbadbesuche auch nicht mehr ganz so flexibel wir in der Vergangenheit. Vom online Ticketkauf mit Slots bis hin zu Abstandsregeln gibt es einiges, was uns zumindest im Sommer 2021 noch begleiten wird.

Wo Schwimmenlernen meiner Meinung nach nicht sinnvoll ist

Zu guter Letzt noch ein Wort zum Schwimmenlernen im Fluß: Verzichte darauf. Starke Strömungen machen viele Flüsse unberechenbar und der Badespaß kann ganz schnell gefährlich werden. Ausnahmen können bewachte und ausgewiesene Badestellen sein, aber auch hier gilt, informiert euch ausreichend über die lokalen Gegebenheiten.

Wo Schwimmenlernen - Eine Checkliste

Zum Abschluss findest du hier eine Liste mit den wichtigsten Kriterien, die bei der Wahl des geeigneten Gewässers eine Rolle spielen.

Die Wassertemperatur: Ideal für Schwimmanfänger sind 30° – 34°. Bei Babys eher am oberen Ende dieses Bereichs, bei älteren Kindern auch am unteren Ende.

Die Wassertiefe: Ideal ist ein Becken das leicht abfällt und in dem das Kind an einem Ende stehen kann, so dass das Wasser maximal bis zur Brust reicht aber mindestens zu den Knien.

Ein- und Ausstieg: Das Kind sollte physisch in der Lage sein alleine in das Wasser zu kommen und auch wieder heraus. Mit ein wenig Übung gelingt das problemlos bei den meisten Schwimmbecken. Seen mit Steilufern sind aus meiner Sicht für Schwimmanfänger mit Vorsicht zu genießen.

Leitern und Treppen: sind für mich die zweitbeste Schwimmhilfe für Kinder (die beste Sind die eigenen Eltern). Sie dienen zum einen der Sicherheit, man kann aber auch tolle Übungen und Spiele an ihnen machen.

Klares und sauberes Wasser ist natürlich aus hygienischen Gründen wichtig. Wenn Kinder den Tauchring allerdings auch noch sehen können, den sie hervorholen wollen, ist das sicherlich auch von Vorteil.

Wo Schwimmenlernen - Das wichtigste Kriterium

Für mich: Die Verfügbarkeit. Ihr habt ein eigenes Schwimmbad, das aber so tief ist, dass euer Kind nicht darin stehen kann? Für mich spricht nichts dagegen, dort mit dem Schwimmenlernen zu starten. Meine Kinder haben beide in einem Becken Schwimmen gelernt, in dem ich gerade so stehen kann. Hat aber super geklappt, weil es für uns easy zu erreichen ist und wir dort auch an mehreren Tagen hintereinander Schwimmen können. Der See bei euch hinterm Haus überschreitet selbst im Hochsommer nie eine Wassertemperatur von 24°? Egal – setze auf kurze Einheiten oder auf Neopren-Anzüge.

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